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Frau März
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Frau März und ihre Tiere

 

Wer mit aufmerksamem Blick bei uns im Stadtviertel unterwegs ist, dem ist vielleicht schon das Schild „Bitte Tor schließen, freilaufendes Pferd“ am Gartentor aufgefallen. Und wer häufiger an der Schleißheimerstraße entlang spaziert, dem sind sie wohl auch schon begegnet, diese Pferde.

 

Wenn auch nicht freilaufend, sondern brav an der Leine gehend wie etwas zu groß geratene Hunde. Es sind zwei: die braune Susi und die schwarze Vroni. Sie ist ein Amerikanisches Miniaturpferd, eine echte
Migrantin, wie Frau März, die Besitzerin, erzählt. Ein Laie würde halt einfach „Ponies“ sagen, allein wegen der – fehlenden – Größe, aber für die Fachleute gibt es himmelweite Unterschiede.

 

Wie Frau Evi März, die Tochter von Frau März, herausgefunden hat, finden sich Abbildungen von extrem kleinen Pferden schon auf Höhlenmalereien aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. und die Tiere wurden als Spielkameraden für Königskinder an europäischen Höfen gehalten. Später geriet die Rasse in Vergessenheit und nur in den USA konnte sie sich halten. Erst seit 2003 gibt es das Amerikanische Miniaturpferd wieder offiziell in Deutschland. Im April desselben Jahres kam Vroni, die eigentlich den Namen „Blanche etoile“ trägt, in Biberbach auf die Welt und seit Oktober 2003 lebt sie in Dachau-Ost mitten im Wohngebiet.


Ein Blindenpferd war der Auslöser Frau März hatte nämlich beobachtet, dass in Dachau ein blindes Mädchen von einem Pferd geleitet wurde, und da sie für kleine Pferde schon immer „einen Spleen“ hatte, machte sie sich auf die Suche und wurde in Biberbach fündig. Ponys waren ihr zu klobig,
aber diese zierlichen Minipferde sprachen sie an. Sie ist in Kienaden, zwischen Günding und Bergkirchen gelegen, mit Pferden groß geworden, da ihr Vater auch Pferde züchtete und mit Trabern nach Daglfing zu den Rennen ging.

 

Natürlich kann ein Erwachsener nur schwer auf diesen Pferdchen reiten, aber Frau März „wollte das Pferd haben, es hegen und pflegen“, direkt bei sich in Dachau, nicht in einem Stall weit draußen. Jeden Morgen um 7.00 Uhr ruft der Stalldienst, gegen 11.00 Uhr gibt es noch einmal Heu und Müsli, mittags und abends wird bei Bedarf sauber gemacht. Die Pferde spielen im Garten „Rasenmäher“ und dürfen frei im Hof laufen, ab und zu geht Frau März mit ihnen spazieren.

 

Seit 5 Jahren sind die schwarze Vroni und die braune Susi zusammen und mittlerweile vertragen sie
sich gut. Das war anfangs weitaus schwieriger, da Vroni die scheuere Susi nicht gleich ins Herz schloss im Gegensatz zur Besitzerin, die nach einer Woche Probezeit Susi mit ihrem freundlichen Charakter nicht mehr hergeben wollte, auch wenn diese nun doch „nur“ ein Pony ist. Seit über 10 Jahren, anfangs nur mit Vroni, nimmt Frau März an den Volksfesteinzügen und den Kinderumzügen teil. Stunden vor Beginn werden die beiden Pferdchen liebevoll mit geflochtenen Mähnen und Blumen herausgeputzt, und auch Kutsche und Zaumzeug werden auf Hochglanz gebracht. Einen Großteil der Arbeit übernahmen bisher Julia und Antonia, die auch das Jahr über immer samstags die Mädelriege anführten, die sich an diesem Tag mit den Tieren beschäftigt. Frau März meint, dass sie ihr schon sehr abgehen, denn beide haben keine Zeit mehr dafür.

 

Beim diesjährigen Volksfesteinzug waren die beiden aber noch die Pferdeführerinnen. Wenn alles zur
Zufriedenheit der Chefin passt, geht es zu Fuß hinauf in die Altstadt zum Sammelpunkt. Während alle
auf die „großen“ Mitzügler warten, werden sie ausgiebig grad von den kleinsten Zuschauern bestaunt und fotografiert. Und das liegt auch an zwei weiteren Passagieren, die auf der Kutsche Platz genommen haben. Bunte Schoßhündchen ziehen auch mit Frau März hat nämlich nicht nur eine Vorliebe für kleine Pferde, sondern auch für Minihündchen. Und diese beiden tragen passend zur Gelegenheit in ruhiger Selbstverständlichkeit Dirndl und Lederhosen und fallen so um so mehr auf. Sie gehören zum Hunderudel, das auch in der Schleißheimerstraße zu Hause ist, und aus dem leider seit kurzem die Älteste fehlt, das 10-jährige Lieserl. Mit den schwarzen Knopfaugen und dem wuscheligen, weiß-grau-schwarzen schauen sie genau so aus, wie ihr Name auf russisch lautet: Bolonka Zwetna, „bunte Schoßhündchen“.

 

Bei einem Ausflug in Thüringen hatte Frau März 2003 einen dieser Hunde das erste Mal gesehen, und Tochter Evi hat im Internet recherchiert und herausgefunden, dass diese Rasse ursprünglich aus Russland stammt und erst seit der Wende ausgeführt werden darf. Bei uns im Westen war sie 2003 nicht sehr bekannt, das hat sich seither aber enorm geändert. Ein wenig hat auch Frau März dazu beigetragen, da ihre Hündinnen in den letzten 10 Jahren insgesamt 10 Mal geworfen haben.

 

Sie erzählt, dass fast täglich jemand bei ihr anruft und nachfragt, ob sie Welpen abgeben könne. Sie selbst bedauert es am meisten, dass sie im Moment keine Hündin mehr hat, die zur Zucht geeignet wäre, denn die einzige, die noch jung genug dafür wäre, ist zu klein. Welpen von Bolonka sind im Verhältnis bei der Geburt recht groß, und das kann für eine sehr kleine Hündin gefährlich werden. Aber da manche der ehemaligen Welpen oft als Gäste im Hause sind, entweder weil ihnen die Gesichtchen ausgeschnitten werden, oder weil die Besitzer überraschend als Betreuer ausfallen und Frau März einspringt, bleibt es eh nicht oft bei nur drei Haushunden.

 

Wie Frau März sagt, liegt ihr das Hegen und Pflegen in den Genen, denn schon ihr Vater hat neben
Pferden noch Hunde gezüchtet, allerdings auch hier eine der größten Rassen, die Berner Sennenhunde.

autor-squareEva Behling