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Silvia Fitterer

Der andere Blickwinkel – Silvia Fitterer

 

Hier lassen wir Mitbürger zu Wort kommen, die Dachau-Ost mit anderen Augen sehen. Diplom-Sozialpädagogin im Amt für Sozialwesen des Landratsamts Dachau. Der recht sperrige Titel will erst Mal so gar nicht zu Frau Fitterers freundlich lockerem Umgangston passen.


Auch ihre beiden Aufgabengebiete als „Fachkraft für die ambulante Betreuungsgruppe für demenzkranke Menschen“ und als „Bezirkssozialarbeiterin für Erwachsene und Senioren“ wirken
zuerst recht trocken und bürokratisch. Genau das Gegenteil ist der Fall. Frau Fitterer unterstützt Personengruppen, die sonst kaum wahrgenommen werden.


ƒƒZum einen sind dies Menschen, die unter fortschreitender Demenz leiden und auf die Hilfe von
Angehörigen oder Pflegekräften angewiesen sind. Zum anderen handelt es sich um Personen, die nicht mehr in der Lage sind, ihr Leben allein zu meistern. Aber auch schlichtweg mittellos Klienten, die kaum genug zum Leben haben, werden von Frau Fitterer unterstützt. Etwa ein Drittel ihres Aufgabengebiets
nimmt die Betreuung der Demenzgruppe ein. Diese trifft sich einmal wöchentlich. Sie besteht derzeit
aus 9 Personen. Für jeden Erkrankten ist eine ehrenamtliche Betreuerin anwesend. Es gibt immer selbstgebackenen Kuchen, dann werden Spaziergänge oder auch Biergartenbesuche gemacht oder im Winter der Dachauer Christkindlmarkt besucht.


Silvia Fitterer: „Die Leute sollen einfach 2 ½ Stunden eine nette Zeit in einer angenehmen Atmosphäre
verbringen. Das ermögliche ich mit meinen ehrenamtlichen Mitarbeitern.“

 

Sie betont, dass ihre Helfer ständig fortgebildet werden, Anfänger erhalten eine vierzigstündige Einführung. Wie sie sagt, lieben die Leute alte Volkslieder und Schlager, sogar schwer erkrankte Menschen erinnern sich daran und tauen richtig auf. „Musik ist der Königsweg, um demenzkranke
Menschen anzusprechen“. Zwei Drittel von Frau Fitterers Aufgabengebiet umfasst die Beratung und
Unterstützung von Menschen, die mit ihrem Leben allein nicht mehr zurechtkommen, und deren Angehörigen.


Die Gründe hierfür sind vielfältig:


Zunächst die Armut: Erwachsene müssen von ALG II in Höhe von 400 € monatlich, Rentner mit ihrer Mindestrente über die Runden kommen – dies bei den hiesigen hohen Mieten und Lebenshaltungskosten. Häufig geht ihnen schon vor Monatsende das Geld aus.

 

Silvia Fitterer: „Gerade in Dachau-Ost leben noch viele Vertriebene, meistens alte Frauen, die nur eine winzige Rente und oft keine Angehörigen haben. Wenn der Zahnersatz, die Brille oder das Radio kaputtgeht, gibt es gleich große Probleme, weil sie sich Ersatz nicht leisten können.“ Frau Fitterer hilft in solchen Fällen beim Ausfüllen von Anträgen für Wohngeld, die Dachauer Tafel oder auch für die Grundsicherung (die frühere Sozialhilfe). In der Seniorenstelle gibt es auch einen kleinen Spendentopf, aus dem unbürokratische Hilfen möglich sind. Dadurch kann im Einzelfall den Bedürftigen
schnell geholfen werden.

 

Frau Fitterer und ihre Kollegin sind für jede eingehende Spende dankbar. Diese wird vollständig an die Bedürftigen im Landkreis weitergegeben. Spendenquittungen werden selbstverständlich ausgestellt.
„Jeder Fall wird von mir geprüft, ich kenne ja die Leute“, sagt Frau Fitterer. Daneben gibt es eine wachsende Gruppe von Menschen, die krank selbst mit ihrem Leben klar kommen und verwahrlosen würden. Frau Fitterer erhält die Informationen über diese Personen über die Pfarrgemeinden oder auch die Polizei. Sie sucht die Betroffenen dann mit deren Einverständnis auf und macht sich ein Bild. Wie sie selbst sagt, „muss die Wohnung nicht überall g`schleckt sein, da sind wir tolerant“. Aber bei fortgeschrittener Verwahrlosung oder erkennbarer Unterernährung ist Handlungsbedarf. Als letzte Möglichkeit stellt sie auch einen Antrag auf Betreuung. Dies kann aber häufig schon im Vorfeld vermieden werden, und zwar durch Kontakt und Beratung der Angehörigen.

 

Im Allgemeinen kümmern sich die Angehörigen schon, aber häufig wohnen sie weit weg und kennen die Möglichkeiten staatlicher oder anderer Unterstützung nicht. Frau Fitterer erklärt hierzu: „Viele
wussten gar nicht, dass es unsere Fachstelle gibt. Dabei können wir wertvolle Hilfe in viele Richtungen
leisten: Wir vermitteln den Kontakt zu Seniorenverbänden, Nachbarschaftshilfen, Pfarrgemeinden, Essen auf Rädern, haben Listen von Pflegediensten, Haushaltshilfen. Wir sind beim Ausfüllen von Anträgen aller Art behilflich, auch bei Anträgen zur Pflegeeinstufung sowie bei Menschen mit Migrationshintergrund, die die Formblätter nicht verstehen. Unser Ziel ist es, die Menschen so lange wie möglich bei bestmöglicher Unterstützung in ihrer gewohnten Umgebung zu lassen. Hierzu werden
auch die Angehörigen eingebunden.“ Silvia Fitterer wohnt selbst seit vielen Jahren in Dachau-Ost und fühlt sich dem Stadtteil sehr verbunden. Sie erklärt: „Mir macht meine Arbeit Spaß, es ist eine sehr sinnvolle Aufgabe, und die meisten Leute sind sehr dankbar für unsere Hilfe. Ich könnte mir gut vorstellen, im Bürgertreff regelmäßig Sprechstunden abzuhalten.“

autor-squareMichael Volkmann